Energieverbrauch Facility Management und Informationstechnologie

Die jährliche Energierechnung der LBBW beläuft sich auf rund 13 Millionen Euro für Strom und 4,4 Millionen Euro für Heizenergie. Einsparungen bergen hier also nicht nur ein gewaltiges ökologisches, sondern auch ökonomisches Potenzial.

Unsere Zentralgebäude sind zusammen für rund 75% des gesamten Energieverbrauchs der LBBW verantwortlich. Wenn es darum geht, Einsparpotenziale zu identifizieren und Maßnahmen zur energetischen Optimierung einzuleiten, schauen wir uns daher diese Gebäude als Erstes an. In den vergangenen Jahren wurden hierzu mehrmals externe Planungs- und Beratungsgesellschaften eingebunden und Einsparmaßnahmen im Bereich der haustechnischen Anlagen, der Tiefgaragen, der Heizung, der Beleuchtung und der Klimatisierung in die Wege geleitet.

Die Trendwende zu einem geringeren absoluten und relativen Energieverbrauch im Facility Management ist uns 2010 geglückt. Im Vergleich zu 2009 ist der absolute Strom- und Heizenergieverbrauch um rund 12% gesunken.

2010 haben wir auch zahlreiche kleinere Maßnahmen umgesetzt, beispielsweise die Arbeitsplatzbeleuchtung optimiert und die Leuchtenreihe an den Fenstern mit Sensoren so programmiert, dass das Licht bei entsprechender Helligkeit automatisch ausgeschaltet wird. Auf dekorative Effektbeleuchtung haben wir komplett verzichtet.

Im Dezember 2010 haben wir zudem eine Studie zu Einsparpotenzialen der Stuttgarter Gebäude „Am Hauptbahnhof 2" und „Pariser Platz" durchführen lassen. Hierbei wurde zum Beispiel die Abwärmenutzung des Rechenzentrums konkretisiert und entsprechende Maßnahmen definiert. Ziel ist eine Einsparung bei der Kühlung von ca. 4 Mio. kWh Strom pro Jahr.

Weitaus größer ist unser Wirkhebel bei Neubauten. Für den angemieteten Büroneubau in Karlsruhe beispielsweise haben wir im Vorfeld einen maximalen Primärenergieverbrauch definiert, der nicht überschritten werden darf. Entsprechend energieeffizient wurde der Neubau ausgelegt. Das Ergebnis: Im ersten vollen Betriebsjahr hat die Karlsruher Niederlassung ihre maximalen Verbrauchswerte deutlich unterschritten. So lag der Verbrauchswert für Primärenergie 2009 bei lediglich 52 kWh/m2. Im Jahr 2010 wurden 54 kWh/m2 verbraucht. Damit weist das Gebäude in Karlsruhe deutlich bessere Energiewerte auf als die restlichen Gebäude der LBBW.  

Stromverbrauch absolut in kWh pro Gebäude


Stromverbrauch absolut in kWh pro Gebäude

Stromverbrauch absolut in kWh pro Gebäude 2006 2007 2008 2009 2010
         
    1.133.530 1.107.149 1.128.668
    5.225.267 4.935.487 1.839.600
    7.983.411 7.392.348 5.243.404
29.512.194 31.463.157 29.468.257 33.377.433 32.243.547
Davon: Gebäudebetrieb 18.512.194 16.663.157 13.468.257 16.005.373 14.520.333
Davon: Rechenzentrum 11.000.000 14.800.000 16.000.000 17.372.060 17.723.214
6.859.256 6.346.887 7.407.171 9.369.595 8.603.910
5.972.503 4.578.938 4.544.096 4.613.821 4.528.513
    776.8831 873.360 723.804
786.656 859.361 1.091.1511 1.091.374 1.123.989
10.358.681 10.650.229 11.872.341 12.662.137 11.566.948
Davon: Gebäudebetrieb 5.058.681 4.350.229 4.872.341 7.034.197 6.290.162
Davon: Rechenzentrum 5.300.000 6.300.000 7.000.000 5.627.940 5.276.786
3.627.156 3.812.635 3.114.394 2.938.061 2.244.590
20.042.813 15.924.0072 14.798.406 13.887.643 15.067.257
3.546.361 3.146.738 3.540.835 3.486.223 2.997.520
4.993.321 4.044.382 2.827.304 1.026.140 Tübinger Straße 28
wurde aufgegeben.
85.698.941 80.826.334 93.783.046 96.760.771 87.311.750
    80.574.368 84.432.936 80.228.746
69.398.941 59.726.334 70.783.046 73.760.771 64.311.750
    57.574.368 61.432.936 57.228.746
         

Stromverbrauch relativ in kWh/m2 pro Gebäude mit und ohne Rechenzentrum


Stromverbrauch relativ in kWh/m2 pro Gebäude mit und ohne Rechenzentrum

Stromverbrauch relativ in kWh/m2
pro Gebäude mit RZ
2006 2007 2008 2009 2010
         
    72 71 72
    473 447 121
    2021 187 138
209 356 333 368 364
130 120 140 177 163
297 227 356 361 354
    40 56 37
113 123 152 155 156
216 456 495 536 482
214 225 184 172 132
117 93 103 86 95
226 200 224 220 190
224 181 127 46 Tübinger Straße 28
wurde aufgegeben.
166 197 200 200 188
    192 194 195
Stromverbrauch relativ in kWh/m2
pro Gebäude ohne RZ
2006 2007 2008 2009 2010
         
    72 71 72
    473 447 121
    2021 187 138
209 188 55 176 200
130 120 140 177 163
297 227 356 361 354
    56 56 37
113 123 152 155 156
216 186 203 298 262
214 225 184 172 132
117 93 103 86 95
226 200 224 220 190
224 181 127 46 Tübinger Straße 28
wurde aufgegeben.
166 143 151 152 138

Der Jahresvergleich zeigt: Die Maßnahmen für eine Reduzierung des Stromverbrauchs im Bereich Gebäudetechnik zeigen Wirkung. Dennoch sind einige Auffälligkeiten erklärungsbedürftig.

Im Gebäude „Am Hauptbahnhof 2“ in Stuttgart wurden die Stromverbrauchswerte 2008 aufgrund eines fehlerhaften Zählers des Versorgers nicht vollständig erfasst. Der fehlende Verbrauch wurde 2009 nachberechnet, was den starken Anstieg erklärt. Um die Versorgungssicherheit des Rechenzentrums am Hauptbahnhof und damit die Geschäftsfähigkeit der Bank zu gewährleisten, werden seit 2008 zusätzliche Infrastrukturkomponenten nach dem neuesten Stand der Technik eingebaut (z. B. unterbrechungsfreie Stromversorgung). Außerdem wurden zahlreiche Arbeitsplätze im Handelsbereich neu aufgebaut bzw. erweitert. Im Zuge dessen wurden auch neue Server im Rechenzentrum installiert sowie altes Equipment deinstalliert. 2009 erfolgten darüber hinaus diverse Systemübernahmen vom Standort Mainz.

Das Gebäude „Tübinger Straße 28“ in Stuttgart wurde 2010 geräumt und wird abgerissen, sodass für das Jahr 2010 kein Wert mehr ermittelt wurde.

In der „Kronprinzstraße 6“ führten Auszüge und somit weniger Mitarbeiter zu einem verringerten Strombedarf.

Der vermeintlich starke Rückgang des Stromverbrauchs im Jahr 2010 bei den Gebäuden Leipzig und Mainz ist darauf zurückzuführen, dass die Gebäude 2008 durch Fusionen in den Bestand der LBBW gekommen sind und die Werte für 2008 und 2009 nicht korrekt ermittelt wurden.

In Mannheim wurden 2010 Serverräume aufgelöst, sodass auch hier eine Stromeinsparung zu beobachten ist.

Stromverbrauch absolut und relativ (pro Mitarbeiter)

Stromverbrauch absolut und relativ (pro m2)

Heizenergieverbrauch absolut in kWh pro Gebäude


Heizenergieverbrauch absolut in kWh pro Gebäude

Heizenergieverbrauch absolut in kWh pro Gebäude 2006 2007 2008 2009 2010
         
In Filialen enthalten   624.440 700.860 745.170
    3.509.650 3.388.861 1.668.299
    3.581.621 3.505.381 4.113.352
10.879.720 12.658.765 12.320.388 12.807.471 10.382.193
4.551.740 3.914.710 4.961.100 5.086.834 5.280.660
2.145.995 1.461.886 1.594.697 1.888.878 2.233.973
    2.923.340 1.939.073 2.093.253
657.193 361.699 405.388 444.944 504.140
3.720.889 2.842.990 3.035.809 2.873.245 3.073.712
1.911.080 1.785.263 1.765.510 1.805.526 1.599.931
24.629.120 25.345.885 21.734.783 22.920.494 18.121.422
2.506.200 2.025.200 2.340.835 1.630.858 1.710.128
k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.
51.001.937 50.396.398 58.797.561 58.992.425 51.526.233
    51.706.290 52.098.183 45.744.582

Heizenergieverbrauch relativ in kWh/m2 pro Gebäude


Heizenergieverbrauch relativ in kWh/m2 pro Gebäude

Heizenergieverbrauch relativ in kWh/m2 pro Gebäude 2006 2007 2008 2009 2010
         
    40 45 47
    318 307 110
    911 89 108
123 143 139 141 117
86 74 94 96 100
107 114 125 148 175
    149 125 107
94 52 58 63 70
159 122 130 122 128
113 105 104 106 94
143 148 127 142 115
160 129 149 103 108
k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.
129 130 131 127 111

Verbrauch Heizernergie absolut und relativ (pro m2)

Rechenzentren müssen einerseits absolut verlässlich und sicher arbeiten – andererseits sollen sie im Betrieb möglichst wenig Energie verbrauchen. In der Praxis zeigt sich allerdings häufig, dass beide Ziele nur schwer miteinander zu vereinbaren sind.

Eine grundlegende Voraussetzung für Optimierungsmaßnahmen und deren Controlling ist zunächst die Ermittlung des tatsächlichen Verbrauchs. Die Rechenzentren der LBBW sind deshalb mit hochsensiblen Energiemessgeräten und Wärmemengenzählern ausgestattet. Auch der Verbrauch der Hardware an Standardarbeitsplätzen wird erhoben, um damit den Verbrauch von Druckern, Bildschirmen und PCs vom Verbrauch der Gebäudetechnik (Licht, Lüftung, Jalousien, Aufzüge etc.) abgrenzen und den Erfolg von Maßnahmen nachvollziehen zu können.

Trendwende beim IT-Energieverbrauch

Der IT-Bereich und die Arbeitsgruppe Geschäftsbetrieb haben Maßnahmen projektiert bzw. umgesetzt, die den relativen Energieeinsatz für IT begrenzen sollen. Dabei setzen sich die im Jahr 2009 bereits erkennbaren Erfolge fort: Nach jahrelang steigendem Energieverbrauch der Rechenzentren haben wir 2009 eine Konsolidierung bei einem Gesamtverbrauch von 23 Mio. kWh erreichen können. 2010 konnte dieses Niveau gehalten werden.

Die bereits umgesetzten Maßnahmen im Einzelnen

  • Konsolidierte Leistung
    Sämtliche Rechenkapazitäten der BW-Bank, der Sachsen Bank und der Rheinland-Pfalz Bank wurden von den Stuttgarter Rechenzentren der LBBW übernommen.
  • Transparente Dokumentation
    Den Fachbereichen wird in der unternehmensinternen Leistungsverrechnung vierteljährlich die Anzahl an PC-Arbeitsplätzen bzw. Druckern in Rechnung gestellt, um die Sensibilität für den eigenen Energieverbrauch zu erhöhen. Seit 2010 ordnen wir die zentralen IT-Kosten, u.a. auch den Stromverbrauch, verursachergerecht zu.
  • Intelligenter Hardwareeinsatz
    Alle Drucker schalten zehn Minuten nach ihrer letztmaligen Nutzung in den energiesparenden Stand-by-Modus. Bis auf wenige Ausnahmen werden sämtliche PC-Clients um 20 Uhr zentral heruntergefahren, sofern der Nutzer dies nicht aktiv verhindert.    
  • Nachhaltiger IT-Einkauf
    In das Lieferantenportfolio der LBBW werden grundsätzlich nur Unternehmen aufgenommen, die sich zu den Grundsätzen des nachhaltigen Wirtschaftens bekennen. Sowohl für die Rechenzentren als auch für Arbeitsplätze wird bevorzugt energiesparende Hardwaretechnologie („Green IT") beschafft.
  • Effiziente Geräte und Systeme
    Drucker, Scanner, Faxgeräte und Kopierer werden sukzessive durch Multifunktionsgeräte ersetzt. Zentrale Systeme in den Rechenzentren werden ausgetauscht, um einen besseren Wirkungsgrad (= Rechnerleistung im Verhältnis zum Energieverbrauch) zu erzielen.
  • Optimierte Betriebsprozesse in den Rechenzentren
    Die Server der Rechenzentren sind je nach Tages-/Arbeitszeit bzw. Wochentag unterschiedlich stark ausgelastet. Seit 2010 passen sich die Rechnerleistungen der Serverfarmen daher dem jeweils aktuellen Bedarf automatisch an. Bei geringer Anforderung von Rechnerleistung wird bei Servern die Taktung dynamisch heruntergefahren, was eine Stromeinsparung zur Folge hat. Sollte keine Rechnerleistung benötigt werden, werden die Server in den sogenannten „Sleep-Modus“ geschaltet. Sämtliche Neuanschaffungen/Neuinstallationen werden entsprechend konfiguriert; bestehendes Equipment wird sukzessive an diesen Prozess angepasst.  
  • Effizientere Planungsprozesse für die Rechenzentren 
    Zur effizienteren Planung und Steuerung der Rechenzentren wird ein spezielles Planungstool eingesetzt. Es hilft, bei der Integration neuer Geräte im Rechenzentrum die erforderlichen Infrastrukturen für IT-Equipment – wie zum Beispiel Stromversorgung und Kühlleistung – zu steuern. Durch die rechtzeitige und automatisierte Planung kann beispielsweise eine gleichmäßige Wärmeverteilung innerhalb des Rechenzentrums und damit eine energieeffizientere Kühlung erzielt werden. So können auch unerwünschte punktuelle hohe Wärmelasten (Hotspots) vermieden werden. Alle Server, Serverschränke, das passive Netz und die aktiven Netzwerkkomponenten in den Rechenzentrumsmodulen an den Standorten „Am Hauptbahnhof 2“, „Bollwerk“, „Pariser Platz“ und „Gerberbau“ sind bereits eingepflegt. Neuinstallationen und Deinstallationen von IT-Equipment werden ausschließlich über dieses Tool gepflegt und verwaltet.

Die projektierten Maßnahmen im Einzelnen

  • Optimierte Serverfarm für den Bankbetrieb
    Durch den Einsatz von 64-Bit-Betriebssystemen, eine Verteilung der Terminalserver auf drei Rechenzentren und das temporäre Herunterfahren der Retail-Farm am Wochenende sollen sich Energieverbrauch und Energiekosten der Serverfarm für den Bankbetrieb mehr als halbieren. Ziel ist eine Reduktion von 7 Mio. kWh auf 3 Mio. kWh pro Jahr.
  • Virtualisierte Systeme
    In den Jahren 2009 und 2010 wurden die Schulungs-, Test- und Entwicklungsumgebungen soweit möglich auf virtuelle Server umgestellt. Dabei konnten insgesamt über 600 Server virtualisiert werden. Die Anschlussleistung der Systeme verringerte sich von ca. 210 kW auf ca. 26 kW - ohne für die Nutzer spürbare Leistungseinbußen. Als positiver Effekt kommen Einsparungen bei der Rechenzentrumskühlung in Höhe von ca. 80% der Anschlussleistung hinzu.
  • Gebündelte Ausstattung
    Künftig teilen sich drei statt zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der LBBW einen Drucker. Am Standort „Hauptbahnhof“ wurde bereits die Geräteausstattung (Arbeitsplatzdrucker, Netzwerkdrucker, Multifunktionsgeräte) in den größten Bereichen optimiert. Ziel des Projekts ist an diesem Standort eine Reduktion der 1.278 Drucker um ca. 345 Geräte. 35 Multifunktionsgeräte werden neu angeschafft. Faxgeräte, Scanner und Kopierer werden abgebaut. Die abgebauten Drucker werden bei einem Servicepartner eingelagert und je nach Bedarf wieder eingesetzt oder an gemeinnützige Organisationen verschenkt. Die Toner-Lagerhaltung entfällt: Ist der Toner leer, erfolgt automatisch eine Meldung an den Lieferanten, die Nutzer werden per Mail informiert. Nach diesem erfolgreichen ersten Schritt werden weitere Standorte folgen.

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